Kennst Du das? Jemand sagt etwas zu Dir, eine beiläufige Bemerkung, vielleicht sogar gut gemeint, und plötzlich fühlst Du Dich verletzt. Du fragst Dich, wie diese Person nur so wenig Verständnis dafür haben kann, was in Dir vorgeht. Aber – aus einer anderen Perspektive betrachtet – wie oft hast Du vielleicht schon selbst andere Menschen unbewusst verletzt, ohne es überhaupt zu merken?
Wir Menschen haben oft Erwartungen: Dass andere uns verstehen oder spüren, was uns gerade beschäftigt. Doch diese Erwartungen immer zu erfüllen, ist nicht möglich. Und unerfüllte Erwartungen bedeuten wiederum Verletzung, Beleidigung und Kränkung – eine Belastung für die eigene Seele.
Die Wahrheit ist – wir können und sollten auch nicht erwarten, dass andere unsere Gefühle immer kennen. Und genauso wissen wir auch oft nicht, was unsere eigenen Worte und Handlungen bei anderen auslösen.
Vielleicht hattest Du selbst schon Situationen, in denen jemand Dir vorgeworfen hat, Du hättest sie oder ihn verletzt. Und Du dachtest Dir: „Das war doch überhaupt nicht meine Absicht!“ Und genau das ist es: Unsere Absicht und die Wirkung stimmen nicht immer überein. Was für Dich harmlos klingt, kann bei jemand anderem tiefe Wunden auslösen – Wunden, die Du gar nicht sehen kannst, weil Du die Geschichte und die Gefühle dieser Person nicht kennst.
Warum Verständnis so wichtig ist
Wenn wir uns klarmachen, dass wir selbst oft unbewusst verletzen, wird es leichter, auch bei anderen Menschen mehr Nachsicht zu haben. Vielleicht wollte die Person, die Dich verletzt hat, Dir gar nichts Böses. Vielleicht hat sie nur aus ihrer eigenen Perspektive gesprochen, geprägt von ihren eigenen Erfahrungen, Ängsten oder Verletzungen.
Das heißt nicht, dass wir alles hinnehmen oder uns respektlos behandeln lassen müssen. Sich selbst abzugrenzen ist wichtig. Aber Verständnis und Vergebung können uns helfen, Frieden zu finden – vor allem mit uns selbst. Denn wer anderen vergibt, befreit sich von der Last des Grolls, die nur in uns selbst Unruhe stiftet.
Verantwortung übernehmen und loslassen
Anstatt uns mit Schuldgefühlen zu quälen, wenn wir merken, dass wir andere verletzt haben, können wir einen anderen Weg wählen:
• Erkennen, was passiert ist und Ruhe in die Situation bringen, anstatt sie zu verschlimmern.
• Sich selbst vergeben. Niemand ist perfekt und jeder macht Fehler. Gehe in Liebe, in Verständnis und in Vergebung mit Dir selbst.
• Dazulernen. Jeder „Fehler“ ist eine Lernmöglichkeit – wir können daran wachsen. Du kannst beim nächsten Mal darauf achten, bewusster mit Deinen Worten und Handlungen umzugehen.
Genauso dürfen wir anderen ihre Fehler nachsehen. Jeder von uns gibt jeden Tag sein Bestes – auch wenn dieses „Beste“ manchmal nicht ausreicht, um andere nicht zu verletzen. Unsere Vergangenheit, unsere Wunden und Erfahrungen prägen uns und manche Menschen tragen tiefes Leid in sich, das sie unbewusst weitergeben.
Ein tägliches Ritual der Vergebung
Ein kraftvoller Weg, mehr inneren Frieden zu finden, ist, Menschen zu vergeben, die Dich verletzt haben – und ebenso um Vergebung zu bitten, wo Du selbst andere verletzt hast. Du kannst daraus ein bewusstes, regelmäßiges Ritual machen – gerne mit einem kleinen symbolischen Akt, wie dem Anzünden einer Kerze.
• Nimm Dir einen Moment Zeit, um in Dich zu gehen und zu spüren, wo Du noch Groll, Schmerz oder Enttäuschung in Dir trägst – oder vielleicht auch Schuldgefühle.
• Mache Dir bewusst, dass Vergebung in beide Richtungen wirkt: Wenn Du vergibst und wenn Du um Vergebung bittest, befreist Du Dich von alten Emotionen, die Dich belasten.
• Versuche, der betreffenden Person innerlich zu vergeben – oder Dich innerlich bei ihr zu entschuldigen. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist: Jeder zählt.
Sei dabei geduldig mit Dir selbst. Vergebung ist ein Prozess, der Zeit brauchen darf. Manche Verletzungen oder Schuldgefühle sitzen tief, doch mit jedem Tag, an dem Du bereit bist, loszulassen, näherst Du Dich mehr dem inneren Frieden.
Vergebung bedeutet nicht, Grenzen aufzugeben oder Unrecht zu leugnen – sondern Dich davon zu befreien, weiterhin an Schmerz, Wut oder Schuld festzuhalten.
Am Ende des Tages versuchen wir alle, das Beste aus dem zu machen, was uns das Leben mitgegeben hat. Und vielleicht hilft es, daran zu denken: Jeder Mensch trägt seine eigenen Geschichten, Wunden und Herausforderungen. Je mehr wir das erkennen, desto mehr Mitgefühl und Frieden können wir in unsere Beziehungen – und in unser eigenes Herz – bringen.
Fazit: Vergebung führt zu Frieden und in die Liebe
Verletzungen gehören zum Leben, genauso wie Fehler. Doch es liegt an uns, wie wir damit umgehen: mit Groll oder mit Liebe und Verständnis. Vergebung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Sie ist ein Weg, der uns nicht nur zu innerem Frieden führt, sondern auch mehr Nähe und Mitgefühl in unsere Welt bringt.
In meinen Sitzungen helfe ich Dir dabei, den Schmerz und die ungelösten Wunden zu verarbeiten, die mit der fehlenden Vergebung verbunden sind. Zusätzlich teile ich mit Dir wertvolle Impulse, wie Du im Alltag mit diesen Themen umgehen kannst und wie Du nach der Sitzung weiterhin an Deiner Vergebung arbeiten kannst, um Schritt für Schritt mehr inneren Frieden zu finden.
Ich wünsche Euch allen Frieden und Liebe – und ein Herz, das voller Leichtigkeit und Freiheit schlägt.

