Jeder Mensch trägt unterschiedliche Anteile in sich.
Das zeigt sich im Alltag durch verschiedene Verhaltensweisen, Gedanken und Reaktionen. Manchmal handeln wir ruhig und gelassen, manchmal impulsiv oder ängstlich, manchmal voller Vertrauen – und manchmal wie fremdgesteuert.
Diese inneren Anteile haben jeweils ihre ganz eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und Sorgen. Und genau hier beginnt oft der innere Konflikt.
Wenn Wünsche auf inneren Widerstand treffen
Vielleicht kennst Du das Gefühl, dass Du Dir im Hier und Jetzt etwas wünschst, aber es einfach nicht umsetzen kannst. Als würde etwas in Dir ständig dazwischenfunken. Als würdest Du gegen Dich selbst kämpfen.
Ein Beispiel dafür ist gestörtes Essverhalten.
Da ist der Wunsch, endlich wieder intuitiv essen zu können.
Sport aus Freude zu machen – ohne Zwang, ohne Druck, ohne Kalorien zählen.
Ohne Angst, wenn man einmal „zu viel“ gegessen hat.
Einfach wieder Vertrauen zu spüren – in den eigenen Körper, in sich selbst.
Der Anteil, der kontrolliert – aus Angst, nicht sicher zu sein
Und gleichzeitig gibt es da diesen Anteil in einem, der genau das nicht zulässt.
Ein Anteil, der Angst hat zuzunehmen.
Ein Anteil, der gelernt hat: Nur durch Kontrolle bin ich sicher.
Dieser unbewusste Anteil steuert dann das Verhalten. Er sorgt dafür, dass Vertrauen nicht entstehen kann. Er hält fest an Kalorienzählen, an Kontrolle, an extremem Sport – nicht, weil er Dir schaden will, sondern weil er glaubt, Dich schützen zu müssen.
Jeder Anteil hat eine positive Absicht
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt in der Anteilsarbeit:
Jeder Anteil in uns hat immer eine positive Absicht.
Auch dann – oder gerade dann – wenn sein Verhalten auf den ersten Blick destruktiv wirkt.
Oft sind diese Anteile Schutzmechanismen, die aus vergangenen Erfahrungen entstanden sind. Erfahrungen, die für uns sehr schmerzhaft waren.
Wenn alte Wunden zu inneren Schutzmechanismen werden
Nehmen wir das Beispiel weiter:
Vielleicht war man als Kind etwas kräftiger als andere.
Vielleicht wurde man gemobbt, beleidigt, abgelehnt.
Worte wie „fett“ oder Blicke voller Abwertung haben sich tief eingebrannt.
Für ein Kind ist das ein enormer Schmerz.
Dieser Schmerz speichert sich im Nervensystem ab.
Es entsteht ein inneres Trauma.
Und daraus wächst eine Überzeugung:
So wie ich bin, bin ich nicht richtig.
Ich bin nur liebenswert, wenn ich schlank bin.
Kontrolle als Sicherheit – ein überlebenswichtiger Schutz
Genau hier entsteht dieser Anteil – der Anteil, der Kontrolle als Sicherheit empfindet.
Der glaubt, nur durch Kontrolle und Extremismus das Schlimme von früher verhindern zu können.
Und aus Angst, wieder in diesen alten Schmerz zu fallen, wird es unmöglich, das gestörte Essverhalten loszulassen.
Wenn der Schutz von früher heute schadet
Was dieser Anteil jedoch noch nicht versteht:
Dass dieses Verhalten heute mehr schadet als schützt.
Dass Gesundheit, Leichtigkeit und Schlanksein auch ohne Zwang möglich sind.
Und vor allem: dass Liebenswertsein nichts mit einer Zahl auf der Waage zu tun hat.
Anteilsarbeit bedeutet: nicht kämpfen, sondern Raum geben und hinhören
In der Anteilsarbeit geht es deshalb nicht darum, diesen Anteil loszuwerden oder gegen ihn zu kämpfen – denn Kampf erzeugt nur noch mehr Widerstand.
Es geht darum, diesem Anteil in Dir Raum zu geben.
Ihn da sein zu lassen.
Ihm zuzuhören. Herauszufinden, was der Anteil braucht und sich wünscht.
Denn auch dieser Anteil gehört zu Dir.
Und auch er ruft nach Heilung.
Der innere Dialog als Schlüssel zur Veränderung
Anteilsarbeit ist ein innerer Dialog.
Ein Dialog zwischen deinem heutigen Ich und dem Anteil, der Dich aktuell noch daran hindert, dort anzukommen, wo Du hinmöchtest.
Du darfst diesem Anteil Deine heutigen Bedürfnisse zeigen.
Ihm erklären, was Du Dir wünschst.
Und gleichzeitig darfst Du seine Ängste ernst nehmen.
Von innerem Kampf zu innerem Frieden
So entsteht kein innerer Krieg mehr, sondern Verständnis.
Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander.
Das Ziel ist nicht, einen Anteil zu unterdrücken, sondern ihn zu integrieren.
Ihm die Sicherheit, die Liebe und die Annahme zu geben, die er damals nicht bekommen hat.
Denn erst wenn sich dieser Anteil sicher fühlt, kann er sich transformieren.
Erst dann kann er anfangen, mit Dir am gleichen Strang zu ziehen.
Heilung geschieht durch Liebe – nicht durch Druck
Trauma heilt nicht durch Druck.
Nicht durch Kampf.
Trauma heilt durch liebevolle Zuwendung.
Durch Annahme.
Durch Mitgefühl.
Es ist immer die Liebe, die heilt – niemals der Kampf.
Du kannst Feuer nicht mit Feuer löschen.
Erst durch Sanftheit und liebevolle Annahme kann echte Veränderung entstehen.
Anteilsarbeit ist auch Teil meiner Sitzungen. Sanft. Tiefgehend. Ursachenorientiert. Damit innere Anteile Frieden finden – und Du wieder in Verbindung mit Dir selbst kommst.

